Ausgangslage

Informationen zur aktuellen Situation Wohn- und Lebensraum

Herausforderungen für touristische Gemeinden

In vielen Bergregionen herrscht ein wachsender Druck auf den Wohnungsmarkt. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Zweitwohnungen und die Möglichkeit, Wohnungen, welche vor dem 11. März 2012 gebaut worden sind, uneingeschränkt zu Zweitwohnungen umnutzen zu dürfen, treibt die Preise für Wohnraum in diesen Regionen überproportional in die Höhe. Für Ortsansässige und Arbeitskräfte wird damit bezahlbarer Wohnraum knapp, was zu deren Verdrängung, verwaisten Dorfzentren und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Personal für das lokale Gewerbe führt.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Zwei Gesetze prägen die aktuelle Entwicklung besonders: das und die Revision des . Beide sollen Landschaften schützen und die Bautätigkeit vor allem innerhalb bestehender Strukturen fördern. Gemeinden müssen dazu ihre Zonenpläne und Baugesetze anpassen. Das Zweitwohnungsgesetz untersagt den Bau neuer Zweitwohnungen in Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil über 20 %. Es bietet jedoch keinen direkten Schutz für bestehende Erstwohnungen, oft als Erstwohnung genutzte Wohnungen, welche vor der Zweitwohnungsinitiative erstellt wurden (sog. altrechtliche Wohnungen). In vielen Gemeinden sind dadurch über 90 % des gesamten Wohngebäudebestands potenziell für den Zweitwohnungsmarkt verfügbar. Die Revision des Raumplanungsgesetzes wiederum stärkt die Innenentwicklung und reduziert Baulandreserven am Dorfrand, was die Neubautätigkeit auch für Ortsansässige erschwert.

Die zeigt in blauer Grundierung die Gemeinden, die den baurechtlichen Bestimmungen des Zweitwohnungsgesetzes unterstehen und Zweitwohnungen nur unter strengen Auflagen erstellen dürfen. Bei Klick auf eine Gemeinde können ausserdem weitere Informationen, wie der Zweitwohnungsanteil, angezeigt werden.

Strukturelle Veränderungen und Chancen

Zunehmend ortsunabhängige Arbeitsformen führen zu mehr Mehrfachwohnsitzen und längerer Nutzung von Zweitwohnungen. Das kann positive Effekte haben: Wissenszufluss, soziale Durchmischung, höhere Auslastung von Wohnraum („warme Betten“) sowie Impulse für Konsum und Leben im Dorf. Für eine gesunde Arbeitsmarktentwicklung braucht es eine breite Mischung an Arbeitsplätzen für alle Bildungsstufen. Der steigende Bedarf an Erstwohnungen und die wachsende Nutzung von Zweitwohnungen als Hauptwohnsitz bieten Gemeinden Chancen – vorausgesetzt, das lokale Gewerbe wird aktiv eingebunden.